AUSTRALIEN UND DER WIRTSCHAFTLICHE AUFSCHWUNG

Die Insel Australien ist für die Menschen im Jahr 2019 und 2020 hart getroffen worden.Riesenflächen an Wald und Kultur wurden vom Feuer vernichtet.

Wer nach Australien blickt, der erkennt nicht nur die Brände und das Leid, das die verstörenden Bilder transportieren, man erkennt auch etwas anderes. Geschichten von Gut und Böse zum Beispiel, von Verantwortung und Ignoranz, von Panik und Dummheit. Noch nie im Diskurs über den Klimawandel waren die Positionen verhärteter, extremer, populistischer. Das Reden über die Brände ist hochpolitisch, das Feuer hat das Land gespalten. So ist der Kampf gegen den Klimawandel mehr denn je ein weltweiter Kampf um die Deutungshoheit, sind die Bilder aus Australien zu Sinnbildern geworden, in denen man nur das sieht, was man sehen will. 

Die Entwicklung ist erstaunlich, denn die Kernfrage erscheint eigentlich recht einfach: Zeigen die Bilder bloß eine fürchterliche Laune der Natur? Schließlich vergeht auf dem extremen Kontinent kein Jahr ohne Buschfeuer. Viele Pflanzen im Outback sind seit Äonen daran angepasst, manche sogar darauf angewiesen, dass es immer mal wieder brennt. Oder sind die Brände dieses Sommers in ihrem Ausmaß eine Folge der von den Menschen zu verantwortenden Erwärmung des Planeten? 

Die Antwort fiel bislang immer unbefriedigend aus. In der Regel blieb die Gretchenfrage des Klimawandels unbeantwortet. Ein einzelnes Ereignis könne nicht dem Klimawandel zugeordnet werden, hieß es von Seiten der Klimaforscher lange Zeit, kurzum: Sie wussten es nicht. Sie versuchten lange Zeit vergeblich zu trennen zwischen den ganz normalen Launen des Wetters und dem Einfluss des Menschen.

Die Wissenschaftler müssen nicht nur die Atmosphäre auf einen menschlichen Einfluss untersuchen, sondern auch die Vegetation. Denn wo und wie sehr es brennt, hängt vom Waldmanagement ab, von Böden, von der Landnutzung und nicht zuletzt von irgendwelchen Dummköpfen, die gerne Feuer legen. Aber ebenso richtig ist, dass es die Atmosphäre ist, die Bedingungen schafft und darüber entscheidet, wie anfällig ein Habitat ist, Feuer zu fangen. Und ohne Dürre hätten die aktuellen Brände sicherlich nicht dieses Ausmaß erreicht. Allein die meteorologischen Fakten haben es in sich: Das Jahr 2019 war das heißeste und trockenste seit Aufzeichnungsbeginn, um 1,52 Grad wärmer als im langjährigen Durchschnitt. Zudem fielen lediglich 278 Liter Regen pro Quadratmeter – vierzig Prozent der Menge, die dort üblicherweise vom Himmel kommt. Am heißesten und trockensten war es im Süden und Osten. Die Städte Sydney, Canberra, Brisbane und Hobart vermeldeten neue Wärmerekorde, teilweise stieg das Thermometer in den Metropolen auf fast fünfzig Grad Celsius. Werte, die man nach den Klimamodellen erst in zwanzig oder dreißig Jahren erwartet hätte.Das Ausmaß der Feuer ist gewaltig: Insgesamt 186.000 Quadratkilometer sind verbrannt, eine Fläche halb so groß wie Deutschland. Mehr als 6000 Häuser wurden zerstört, mindestens 34 Menschen starben und schätzungsweise anderthalb Milliarden Tiere. Am schlimmsten wüteten die Flammen in New South Wales im Südosten des Landes, wo die Rauchschwaden über Wochen am Himmel standen, und erst Anfang März meldete die Feuerwehr, es gebe dort nach 240 Tagen derzeit keine aktiven Busch- oder Grasfeuer mehr. Noch verheerendere Brände gab es in Australien nur in den Jahren 1974/75 und 2002, allerdings in Gebieten, in denen Feuer jedes Jahr vorkommen und zum natürlichen Kreislauf gehören. Doch wie sehr hat der Mensch durch seine Emissionen aus der Nutzung fossiler Brennstoffe in diesem natürlichen Kreislauf die Gewichte verschoben? In der vergangenen Woche hat sich eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern zu Wort gemeldet, die in der Lage ist, Antworten zu den Bränden in Australien zu geben. Die Gruppe selbst hat sich den Namen „World Weather Attribution“ gegeben, sie gehört zum noch jungen Zweig der Attributionsforschung, auch Zuordnungsforschung genannt. Ihre Aufgabe ist es, Extremwetterlagen dem Klimawandel zuzuordnen. Ziel ihrer Arbeit ist es nicht, zu zeigen, dass es den Klimawandel gibt. Sondern zu untersuchen, ob und wie die zusätzliche Wärme auf das Wetter und damit auf Natur und Mensch genau wirkt.Die vom Menschen verursachte Erderwärmung hat das Risiko von brandgefährlichen Wetterlagen, den sogenannten Fire Weather Index, um mindestens dreißig Prozent im Vergleich zum Jahr 1900 erhöht. Sehr wahrscheinlich liegen die Werte noch deutlich darüber, schreiben die Forscher, denn die Klimamodelle hatten Schwierigkeiten, den Effekt korrekt wiederzugeben. Zudem wäre die Hitzewelle vor Weihnachten 2019 in einer Welt ohne Klimawandel nur halb so wahrscheinlich eingetreten und selbst dann wohl ein bis zwei Grad kühler ausgefallen. Die Forscher nehmen auch hier an, dass die Klimamodelle den Effekt unterschätzen und sich die Wahrscheinlichkeiten extremer Hitzewellen im heutigen Klima mehr als nur verdoppelt haben. Nachweislich verlängern extrem hohe Temperaturen die Brandsaison und erhöhen so das Feuerrisiko. In einer zwei Grad wärmeren Welt wäre ein solches Szenario wie in diesem australischen Sommer viermal wahrscheinlicher als im Jahr 1900. Anders verhalten sich die Einschätzungen zur Dürre: Trotz der außergewöhnlichen Trockenheit über Südostaustralien fanden die Forscher keinen Klimatrend, weder im Gesamtjahr 2019 noch in der Trockenzeit zwischen September und Februar. Nicht der Mensch hat die extreme Dürre ausgelöst, sondern die Natur. Die Atmosphäre kann eine solch extreme Regenarmut selbst produzieren, sie gehört zur natürlichen Schwankungsbreite des australischen Wetters. 

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Diese Erkenntnis überrascht nicht. Schon im Sommer 2019 beobachteten Meteorologen zwei ungewöhnliche Wetterphänomene in der Region, die zu extremer Trockenheit über Australien führen können. Das eine Phänomen ist der Indische-Ozean-Dipol, eine Meeresanomalie des Indischen Ozeans, welche vom globalen Wetterphänomen El Niño beeinflusst wird und sich auf die Atmosphäre auswirkt. Im vergangenen Jahr war sie besonders stark, wodurch das Ozeanwasser vor Java und Sumatra kälter war als gewöhnlich. Das verursacht üblicherweise Wärme und Trockenheit über Südaustralien, während es auf der anderen Seite des Indischen Ozeans, in Ostafrika, kühler und feuchter ist. Diese Kombination bereitet in den afrikanischen Ländern den Nährboden für verheerende Heuschreckenplagen. 
Das zweite Wetterphänomen, das zur Dürre beigetragen hat, bezeichnen Meteorologen als plötzliche Stratosphärenerwärmung: Mitten im südhemisphärischen Winter 2019 ereignete sich über der Antarktis ein sehr seltenes Phänomen, das die normale Zirkulation störte. Es verschob den Höhenwind in Richtung Norden, dadurch regnete es an der Südostküste Australiens seltener. Die plötzliche Stratosphärenerwärmung trat auch im Dürrejahr 2002 auf, weshalb der australische Klimaforscher Harry Hendon schon im September eine lange Dürre vorausgesagt hatte. Anfang Oktober 2019 erschien zudem eine Studie über diesen Mechanismus in „Nature Geoscience“. Niemand hätte von der extremen Dürre überrascht sein müssen. 
Aber es ist kompliziert: Die eine ultimative Ursache für die verheerenden Buschfeuer in Australien gibt es nicht. Der Klimawandel hat insofern zu den Buschbränden beigetragen, als er den Kontinent bereits deutlich erwärmt und Hitzewellen intensiviert hat. Dadurch verlängert sich die Vegetationsperiode. Mit den bekannten Folgen: Die Pflanzen verbrauchen mehr Wasser – und die Böden trocknen weiter aus.Australier haben einst gelernt, mit dem Feuer zu leben. Doch in diesem Jahr mussten sie schmerzlich Erfahren, dass in Zeiten des Klimawandels auch Höllenfeuer in ihrem Land wüten können.Tiere sind Leidend verendet.Der Staat muss nun diese Landflächen Forstgerecht Sanieren.Der Tourismus soll diese Insel Wirtschaftlich zum Aufschwung verhelfen.

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